Abbildung
Im TEM ist die gleiche optische Abbidlung wie im Lichtmikroskop realisiert. Jedem Dingpunkt auf der einen Seite der Linse (Dingraum) ist genau ein Bildpunkt auf der anderen Linsenseite (Bildraum) zugeordnet. Dies setzt voraus, dass das Objekt elektronentransparent ist. Neben der Vergrößerung ist die Kontrastentstehung für die Abbidung entscheidend. In der Elektronenmikroskopie unterscheiden wir drei Kontastarten:
den Streuabsorptionskontrast (auch Massendickekontrast),
den Beugungskontrast und
den Phasenkontrast.
Beugung
Elektronenbeugung ist ein wichtiges Verfahren zur Charakterisierung von Werkstoffphasen, insbesondere bei dünnen Schichten. Die Beugungsbilder sind Interferenzmuster von Elektronenwellen, die die (periodische) Anordnung von Atomen oder Atomgruppen im Kristallgitter widerspiegeln. Voraussetzung für auswertbare Bilder sind kristalline Objekte. Die Resultate solcher Beugungsexperimente können sehr unterschiedlich sein. Das beobachtete Beugungsmuster hängt ab von der kristallografischen Phase, der Anzahl der zum Beugungsmuster beitragenden Kristallite (Punkt- oder Ringdiagramme) und der Orientierung des Kristallgitters zum einfallenden Elektronenstrahl. Besondere Bedeutung hat die Kondensoreinstellung ("Beleuchtungsbedingung“) mit den Grenzfällen parallele und konvergente Beleuchtung mit Fokussierung auf das Objekt. Bei paralleler Beleuchtung ("Feinbereichsbeugung") entstehen scharfe Beugungsreflexe, der erfasste Objektbereich wird durch eine Blende in der ersten reellen Zwischenbildebene auf Werte bis unter 0,1 µm begrenzt. Bei der konvergenten Beleuchtung ist der Winkel der Beleuchtungskegelspitze ("Bestrahlungsapertur") wichtig: Ist er kleiner als der BRAGG-Winkel, entsteht ein Punktdiagramm ("Nanobeugung"). Ist er größer als der BRAGG-Winkel, hängt die Art des Beugungsmusters von der Kristallorientierung ab: Bei niedrigindizierter Einfallsrichtung entsteht ein Kikuchi-Muster, bei hochindizierter Einfallsrichtung ein CBED-Muster.
Bei der Elektronenbeugung werden Zwischen- und Projektivlinsen des Mikroskops derart erregt, dass das in der bildseitigen Brennebene des Objektivs entstehende Beugungsmuster auf dem Leuchtschirm bzw. auf einer darunter liegenden Fotoplatte oder Kamera abgebildet wird. Das einfache Umschalten zwischen „Abbildung“ und „Beugung“ ermöglicht es, morphologische und strukturelle Materialmerkmale einander zuzuordnen.
STEM
(Rastertransmissions-elektronenmikroskopie)
Bei analytischen Untersuchungen im Transmissionselektronenmikroskop ist im Interesse einer hohen räumlichen Auflösung ein nanoskaliges Anregungsgebiet erwünscht. Die Elektronenoptik des Beleuchtungssystems eines TEM (Doppelkondensor und Teil des Objektivfeldes vor dem Objekt) ist in der Lage, den Elektronenstrahl sehr fein zu fokussieren und damit sehr kleine Elektronensondendurchmesser in der Probenebene zu erzeugen. Ablenksysteme ermöglichen das Rastern dieser feinen Elektronensonde auf der Probe, analog zu dem aus der konventionellen Rasterelektronenmikroskopie bekannten Verfahren. Die Unterschiede liegen zum einen in der erreichbaren Kleinheit der Sonde: Aufgrund der günstigen elektronenoptischen Bedingungen im TEM (sehr kleiner Arbeitsabstand) gelingt es, Sondendurchmesser von 0,1 nm zu erreichen. Zum anderen beruht aufgrund der Durchstrahlbarkeit der Probe der Kontrastmechanismus auf den gleichen Prinzipien wie bei der konventionellen („Ruhebild“-) Transmissionselektronenmikroskopie: Wenig gestreute Elektronen gelangen in den Detektor, stark gestreute Elektronen nicht („STEM-Hellfeldbild“) oder umgekehrt („STEM-Dunkelfeldbild“). Die elektronentransparenten Proben haben einen entscheidenden Vorteil: Im Gegensatz zu den kompakten Objekten im konventionellen Rastermikroskop bildet sich in den dünnen Folien kein größeres Anregungsgebiet aus. Damit gelingt es, auch im STEM-Verfahren eine Auflösung von 0,1 nm zu erreichen. Allerdings ist zu beachten, dass mit kleiner werdender Sonde auch der Elektronenstrom sinkt und sich damit das Signal-Rausch-Verhältnis verschlechtert.
Häufig wird ein ringförmiger Weitwinkel-Detektor für die Dunkelfeldabbildung eingesetzt (HAADF: High Angle Annular Darkfield). Die ringförmige Anordnung des Detektors sorgt für einen effektiven Nachweis der stärker gestreuten Elektronen, verbunden mit einem starken Massendickekontrast.