EDXS

(Energy Dispersive X-ray Spectroscopy)

Durch inelastische Wechselwirkung der Strahlelektronen mit den Elektronenhüllen der Atome innerhalb des elektronenmikroskopischen Objektes können u.a. innere Schalen ionisiert werden. Dieser Zustand ist nicht stabil und wird durch Übergang von Elektronen aus ener­getisch höheren Schalen korrigiert. Die dabei frei­ werdende Ener­gie wird zur Emission eines Rönt­genquants oder eines AUGER-Elektrons benutzt, deren Energien wie­de­rum charakteristisch für den energetischen Abstand der beteiligten Elektronen­zustände und damit für das Element sind. Die Elektro­nenzustände werden durch vier Quantenzahlen beschrieben: die Haupt­quanten­zahl n kennzeichnet die Schale (n = 1: K-Schale, n = 2: L-Schale, n = 3: M-Schale usw.); die Neben­quantenzahl l kennzeichnet den Bahn­drehimpuls (l = 0, ... , n-1), die mag­netische Quantenzahl m die z-Komponente des Drehim­pulses (m = -l ... +l) und die Spin­quan­ten­zahl s den Eigen­drehimpuls des Elektrons (s = ± 1/2). Die Elektronen müs­sen sich in min­destens einer dieser Quan­tenzahlen unterscheiden (PAULI-Prinzip). Die Ge­samt­drehimpuls-Quanten­zahl ist j = l + s. Für Strah­lung sind quanten­mechanisch nur Übergänge erlaubt, für die Diff(l )= ± 1 und Diff(j) = 0, ± 1 gilt. Die möglichen Elektronen­energiezustände für die inneren drei Schalen und die zwischen ihnen erlaubten Übergänge sind schematisch im Termschema (Bild rechts) dargestellt. Die Bezeichnung der charakteristischen Röntgenlinien („Peaks“) im Spektrum leitet sich aus dem Termschema ab: Der Großbuchstabe (z.B. K) gibt die ionisierte Schale an, die durch einen Elektronenübergang aufgefüllt wird. Der griechische Buchstabe gibt an, aus welcher Schale das Auffüllelektron stammt 


Termschema

Der innere Photoeffekt bildet die Grundlage für das energiedispersive Röntgenspektrometer. Im Siliziumkristall werden Elektronen beim Einfall von Röntgenquanten aus dem Valenzband in das Leitungsband gehoben. Sie sind dort frei beweglich. Im Valenzband entstehen Fehlstellen („Löcher“) Der Siliziumkristall ist zwischen zwei Elektroden eingebettet, an denen eine Spannung von etwa 1 kV liegt. Die Elektronen werden durch diese Spannung von der Anode aufgenommen und liefern einen kurzen Stromstoß, der elektronisch verstärkt wird. Die Zahl der durch das Röntgenquant in das Leitungsband beförderten Elektronen hängt von der Röntgenenergie ab und bestimmt die Stärke dieses Stromstoßes. Die Höhe eines einzelnen Stromstoßes ist das Maß für die Energie des einfallenden Röntgenquants, die in einem Diagramm als Abszisse dargestellt wird. 

Die Zahl der pro Zeiteinheit einfallenden Röntgenquanten bildet die Ordinate. Sie hängt von der Anzahl der angeregten Atome eines Elementes ab. Die Anregung von Valenzbandelektronen ist ein statistischer Prozess, der zusammen mit den endlichen Energiebreiten von Valenz- und Leitungsband zu  einer „Verschmierung“ führt. Es entstehen keine scharfen Linien bei einer bestimmten Energie sondern „Peaks“ mit einer Halbwertsbreite von etwa 100 eV. Das energetische Auflösungsvermögen des energiedispersiven Röntgenspektrometers ist auf etwa diesen Wert begrenzt. 

EDX-Spektrum

Die Flächen unter den Peaks repräsentieren deren Intensitäten I. Die CLIFF-LORIMER-Gleichung ermöglicht die Berechnung des Konzentrationsverhältnisses zweier Elemente aus deren Intensitätsverhältnissen im Röntgenspektrum. Als k-Faktoren bezeichnete Empfindlichkeitsfaktoren berücksichtigen die Unterschiede in den Wahr­schein­lichkeiten für die Ioni­sierung durch Entfernung eines Elektrons aus einer inneren Schale (Ionisations­querschnitt), in den Wahr­scheinlichkeiten für die Emission eines Röntgenquants (Fluores­zenzausbeute) und in den Wahrscheinlichkeiten, mit der das Röntgenquant im Spektrometer detektiert wird (Spektro­metereffizienz). Die k-Faktoren können anhand von Modellen berechnet oder mit Hilfe von Standards gemessen werden. In der Regel sind sie auf Silizium bezogen.

Die berechneten Faktoren hängen von den benutzten Modellen zur Ermittlung der o.g. Wahr­scheinlichkeiten ab und sind damit systematischen Fehlern unterworfen, deren relative Werte von ca. 5 % bei im Periodensystem nahe beieinander liegenden, mittelschweren Elementen und Nut­zung der K-Peaks bis zu mehr als 50 % in anderen Fällen liegen können.

Cliff-Lorimer